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Wolf Hildebrandt HIL

Sonntag, 26. Februar 2012, um 00:00 Uhr.

Im 

Eröffnung: Sonntag, 26. Februar 2012, 11.00 Uhr Samstag: 14-18.00 Uhr Sonn- und Feiertag: 11-18.00 Uhr Mittwoch 18-20.00 Uhr

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HIL HIL

 

Wolf Hildebrandt  (HIL)

wird am 04.02.1906 in Stettin geboren. Der blinde Vater ist Dom-Organist und Komponist, die Mutter Lehrerin, die mit ihm an einem zweiten Flügel dessen Kompositionen niederschreibt.

1921, 15jährig, bildet er aus hundert gesammelten alten, leeren Bilderrahmen eine erste den ganzen Raum durchspannende „Komposition“, „Stil der Perfektion“ betitelt.  Er versteht sich als Künstler, sieht sich als Mitglied der Avantgarde, überzeugt schließlich die Eltern, das Gymnasium verlassen zu dürfen, um auf der Werkkunstschule für Gestaltung in Stettin zu lernen. Über den befreundeten Pianisten und Dirigenten Erich Böhlke, den sein Vater gefördert hatte, lernt er die zeitgenössische Musik von Schreker, Schoenberg, Busoni, Scriabin, kennen, die für sein Schaffen schon bald bedeutsam wird.

 

1925 engagiert das Thüringische Landestheater Rudolstadt den 19Jährigen als Bühnenbildner. Aufgrund seiner Erfolge erhält er 1926   ein Stipendium für das Bauhaus Dessau. Er arbeitet an der Versuchsbühne bei Oskar Schlemmer, besucht den Vorkurs bei Paul Klee. Dessen Stunden nimmt er begeistert als „räumliche Philosophie“ wahr. Außerdem beeindruckte ihn die „Bauhauskapelle“ mit Andi Weininger und das mechanische Ballett von Kurt Schmidt und Georg Teltscher. Doch auf kritische Distanz geht er zum dogmatisch verengten Formalismus, dem er in der Lehre Schlemmers begegnet.

 

Daher geht er Ende 1927 wieder ans Theater als Bühnenbildner, nun nach Stralsund.

1928   Kurze Ehe mit der damals exzentrischen Künstlerin Helen Ernst (1904 – 1948). Um mit der Modeschöpferin mithalten zu können‚ meint der 22Jährige, schnell einen Vertrag mit einem Theater eingehen zu müssen, in Liegnitz. Zwei Monate später will Otto Klemperer ihn als Bühnenbildner an die Kroll-Oper in Berlin verpflichten. Doch Liegnitz lässt ihn nur gegen eine Konventionalstrafe von 30 000 Mark ziehen. Unbezahlbar. Der Sprung in die ganz große Bühnenwelt bleibt auf der Strecke.

 

Durch die Heirat seiner Schwester (1927) mit dem namhaften Staudenzüchter Karl Foerster lernt er auch dessen Bruder, den Münchner Philosophen Friedrich Wilhelm Foerster kennen, der als Pazifist der Deutschen Friedensgesellschaft nahe steht, und der später, unter Hitler, als erster Deutscher ausgebürgert wird. (Gleiches widerfährt ihm in der Schweiz, von dort emigriert er dann nach Princeton, USA). 

 

1931 endlich wieder frei, geht er an die Schilleroper in Hamburg.

Als ein Mitbegründer des antifaschistischen Kabaretts „Kollektiv Hamburger Schauspieler“ tritt er in die KPD ein.

 

1933 im Mai Verhaftung und erstes Arbeitsverbot. Der Versuch der Nazi-Oberen, alle jüdischen Künstler zu entlassen, wird zunächst erfolgreich abgewehrt.

Ab August wieder Arbeitserlaubnis.

 

1935   Erste Ausstellung in der Galerie Ferdinand Möller, Berlin. Ankauf von Ölkreide-Zeichnungen durch die Nationalgalerie Berlin (heute im Kupferstichkabinett Berlin) und das Museum Breslau.

 

1937 lernt er Rosa Schapire kennen, Förderin der deutschen Moderne, gewesenes passives Mitglied der Brücke ab 1907. Nicht zuletzt über sie findet er Kontakt und Freundschaft zu vielen, auch später für ihn wichtige Menschen, die nach und nach ins Exil gehen. Er wohnt bei der Hamburger Malerin Gretchen Wohlwill, deren späte Flucht er, 1940, mit organisieren wird.

 

1938   durch Vermittlung der Kunstsammlerin Agnes Holthusen erhält er ein Reisestipendium des Hamburger Senats. Mit dem Fahrrad fährt nach und durch Jugoslawien.

 

1941   Schließlich vom Theater als nicht tragbar entlassen, ergeht kurz darauf das endgültige Arbeitsverbot. Der Landschaftsarchitekt Hermann Mattern nimmt ihn in seinem Haus am Chiemsee auf. Auf einer Wanderung im Kaisergebirge lernt er die Kunststudentin Itta Vogel kennen, seine spätere Frau. Heirat 1942.

 

1942   wird er Soldat, in Frankreich.

„Gemalte Briefe“ (allein Itta erhält ca. 1000) sind ihm „Übung im Mitteilen von Botschaften“.

Kontakt zur Resistance.

 

1945 schwerkrank zurück an den Chiemsee. Chronisch leidend durch Bleivergiftung und Magengeschwüre über die Operation von 1955 hinaus, kaum arbeitsfähig.

Itta gebärt ihm 3 Kinder: Veronika 1945, Laurenz 1948, Ruth 1954.

Seine Situation ist, er kann nicht daran weiterarbeiten, woran er vor dem Krieg aufhören musste. Diejenige Moderne, die voranzutreiben er mitgewirkt hatte, hatte/war verloren! Einen Neuanfang suchte er...

 

… das literarische Arbeiten, Arbeit mit Sprache, die ihm durch seinen blinden Vater, der sinnlich plastische Beschreibungen forderte, einst alltägliche Übung war, und das ihm auch vom Theater vertraut ist, steht der bildnerischen Darstellung nur wie ein ungeliebter Vetter zur Seite. Denn so, wie Bühnenbilder nie das Bühnengeschehen illustrieren, war klar: Niemals kann ein Medium, sei es die Sprache oder das Bild, Illustration für das jeweils andere sein. Zwischen beiden bietet sich aber ein Freiraum, den zu entdecken und auszuloten Hil über fast fünf Jahrzehnte fleißigen Arbeitens mit Vergnügen nutzen sollte.

 

1956   Umzug nach Dießen am Ammersee.

Hier entdeckt er die alte Scagliola Technik, aus der er eine ihm gemäße Technik entwickelt. Erste Aufträge für Wandgestaltungen für Tchibo Filialen. Es folgen private und öffentliche Aufträge für Schulen, Kindergärten und Kirchen.

 

Erst ab 1965 präsentiert er wieder Werke in Einzelausstellungen.

Schon die erste Ausstellung „Strukturen der Gewalt und der Hoffnung“ belegt, Hil geht es nicht um die „freie Abstraktion“, vielmehr um Botschaften, die jedoch wirklich das Vermögen zur Abstraktion herausfordern. Nicht statuarischer Stil, sondern antithetisches Positionieren, dialogisch reflektierendes ‚Verhandeln’ – diese theatralische Qualität sollte zum Kriterium seiner Kunst werden, die sich aller Medien bedien darf, nicht allein der Malerei und Zeichnung.

 

Hil versteht sich nicht als Realist, sondern als einen Transformer..

 

Die neue Grundlage seines individuellen Künstlertums hat er sich endlich zu Ende der 60er Jahre zu schaffen vermocht. In dichter Folge werden nun theatralische, literarische Veranstaltungen und rein bildnerische Ausstellungen produziert:

 

1971   „Hoffnung ist nicht Traum“, Mappe mit 8 Kupfertiefdrucken und Texten

1975   Tanzdrama „Orpheus oder die Gewalt“, Uraufführung im Nationaltheater Mannheim

1976   „Orpheus oder die Gewalt“, Mappe mit 19 Holzschnitten und Texten

1977   Umzug nach Deidesheim

1978   Ausstellung im Kunstforening Roskilde, Dänemark

          „Croquis du Midi“ (vergriffen), Buch mit 63 Seiten und 24 farbigen Abb.

1979   Glasfenster und Wandbilder im Ratskeller Deidesheim zum Geißbock-Thema.

          Er lernt den Choreographen Kresnik kennen. Weitere Arbeiten an Tanzstücken.

1981   Uraufführung des Tanzspektakels „Elvira/Alwara“, Musik Herbert Stumpf, Mannheim

1984   Uraufführung des Zeitstücks „Das Paradies ist das Labyrinth“

1985   Premiere des Szenariums für Ballett und eine Bänkelsängerin „Sieben Antworten auf Nicht-Gefragtes“

          in der Markthalle Hamburg. Choreographie: Marion Buchmann, Musik: Robert Wittinger, Symphonia no. 2, op.35 (1978-1980).

1986   „Capriolen – Essay über des Geißbocks Sprünge durch zehn Jahrtausende“,

          mit 19 Abbildungen seiner Glas- und Wandmalereien aus dem Ratskeller Deidesheim

1991   Algerienreise für seinen Roman „Melousine oder die Vernunft des Traums“ „Wenn der Herr Direktor schläft“, Roman

1993   „Les Exitations“, offizielle Ausstellung zur 50-Jahr-Feier der Befreiung Korsikas von den Deutschen, Centre Culturel de Sartène, Corse und in Vence-St.Jeannet. 

          Anschließend wird die Ausstellung beim Theaterfestival Thüringen, Schloss Heidecksburg und am Nürburgring gezeigt.

          „Melousine oder die Vernunft des Traums“, Roman

1994   Uraufführung der Neufassung des Theaterstücks „Das Paradies ist das Labyrinth oder der Sprung hinaus“, Studiobühne Schminkkasten Rudolstadt.

          „Les Exitations“, Heinrich-Pesch-Haus, Ludwigshafen

1996   „Entwürfe für Morgen“, Ausstellung zum 90. Geburtstag im Bauhaus Dessau und im Hambacher Schloss, Neustadt/Weinstr.

1997   „Daccapo in Venedig – die Visite der Dr. Faustus GmbH in Venedig“, Roman

          „Der Verführer“, Erzählung

          „Die vier schönen Lügen im Mythos“, Essay und Malerei

1998   „Die Irrwege wären die schöneren“, Video von Analia Rondon und Remy Rasse, St.Jeannet über HIL

 

           Am 14. Oktober 1999 stirbt Hil.

 

2000   Seine Memoiren „Die Irrwege wären die Schöneren“ erscheinen.

 
 
Hier finden sie Bilder oder weitere Informationen zur Veranstaltung

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