Die Künstler bei „Palatia Jazz" - Lyambiko

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Den Göttinnen des Jazz ganz nahe

 

 

 

Samtweich und zugleich kraftvoll: Sängerin Lyambiko kommt in den Mußbacher Herrenhof - Neue CD „Love ... and Then" 

 


Gewissermaßen über Nacht ist Lyambiko zum Star geworden. In einer thüringischen Kleinstadt geboren und aufgewachsen, startete die Sängerin, die ihren bürgerlichen Namen verschweigt und sich nach ihrem afrikanischen Vater nennt, von Berlin aus ihre große Karriere. Mittlerweile zählt die junge Künstlerin zu den stärksten Jazzsängerinnen unserer Republik. Am 2. Juni tritt sie mit ihrem Quartett beim Festival „Palatia Jazz" im Herrenhof in Mussbach auf und wird dabei Songs aus ihrer neuen CD „Love ... and Then" vorstellen. 

 


Eine deutsche Mutter und ein Vater aus Tansania, das ist eine gute Mischung für künstlerische Reichhaltigkeit. Tatsächlich transportiert die Stimme von Lyambiko sehr viel an Facetten und Stilelementen. Swing und Latin, Blues und Soul umgibt sie mit einer eigenen, gutklingenden Aura, ohne das Verschiedene zu verwässern. Ursprünglich wollte die Berlinerin eigentlich Musiklehrerin werden und ein Klassik-Studium beginnen. „Sie haben Knötchen auf den Stimmbändern!", sagte ihr der Phoneatrie-Doktor, da war der Traum vorschnell aus. Aber dann hat sie auf Jazz-Sessions gesungen und wurde von wichtigen Leuten entdeckt. Und nicht zuletzt war es Nina Simone, die sie zum Singen ermunterte.

 


Jazzsongs im Pop-Idiom zu singen, das ist derzeit sehr en vogue. Lyambiko macht eine besondere Kunst daraus. Über eine schöne Stimme verfügt sie, und wenn sie den Blues oder Jazz mit soulig angehauchtem Pop überzieht, dann wirkt dies nie gekünstelt, sondern ganz und gar natürlich und gutklingend. Dabei klingt ihre laszive Schokoladenstimme alles andere als versüßt. Vielmehr bringt sie fast vibratolos eine charakteristische Herbheit in ihren Gesang, so wie man dies von afrikanischen Sängerinnen kennt.

 


Wobei sie ihr Repertoire eher mit einer Mischung aus Coolness und verführerischer Sanftheit singt. Der Erfolg gibt ihr recht: Schon mit ihren ersten beiden Alben erzielte Lyambiko, die übrigens vor einigen Jahren schon einmal in Neustadt in der legendären „Maxburg" zu erleben war, rekordverdächtige Platzierungen in den deutschen Jazz-Charts (Platz 2 hinter Norah Jones). Die „Süddeutsche Zeitung" urteilte gar: „Sie ist den Göttinnen des Jazz ganz nahe!"

 


Schwarzer Kaffee sei ihr Lieblingsgetränk, erzählt die exotisch aussehende Schöne gerne bei ihren Konzerten. Drum singt sie auch den Standard „Black coffee" immer wieder gerne. Das passt zur Farbe ihrer Stimme. Schön dunkel, schwül und bluesig im Gestus, mit rauchig-zartem Timbre erfüllt sie ihren Gesang. Spielt dabei gerne mit Farbe und Ausdruck, jongliert mit Nuancen und Stimmungen. Den Blues zelebriert sie mit expressivem Gefühl, sonorem, dunklem Timbre, und mit betörendem Scatting lässt sie der Musik Flügel wachsen.

 


Exzellente Musiker hat Lyambiko in ihrer Band um sich geschart: Neben dem kraftvoll bluesig spielenden Pianisten Marque Lowenthal, dem klangsatten Groove von Bassist Robin Draganic und dem mit souveräner Lockerheit trommelnden Torsten Zwingenberger schwingt sich ihr Gesang inspiriert aus. Dabei fühlt sie sich nach eigener Aussage in ihrem Quartett mehr als „Instrument" denn als „Frontfrau".

 


Ob relaxte Balladen oder swingende Eleganz, Mainstream-Jazz oder die farbenfrohe Vitalität von brasilianischer Jazz-Samba und afrikanischer Folklore - Lyambikos Stimme erfüllt all das Unterschiedliche mit ebenso viel Authentizität wie klanglich stilvoller Einheitlich. Bisweilen kommen auch ihre schwarzen Wurzeln durch, in rituellen Gesängen aus Afrika, dunkel, archaisch und voll ruhevoller Kraft. In der Musik der Sängerin ist vieles gebündelt: Altes und Modernes, Spirituelles und Sensitives. Das kommt auch international gut an: „Lyambiko ist die vielversprechendste Jazz-Sängerin nach langer, langer Zeit. Sie besitzt die Dramatik einer Billie Holiday, die Erotik einer Julie London und die Schärfe einer Nina Simone", schrieb der „Boston Globe" nach einem Gastspiel in den USA.

 


Info

 


Lyambiko ist mit ihrem Konzert „Love ... And Then" am Freitag, 2. Juni, um 20 Uhr im Festsaal des Mußbacher Herrenhofs zu erleben. Einlass ab 18 Uhr (kulinarisches Rahmenprogramm). Karten unter 06326/967777 oder im Internet auf www.palatiajazz.de.

 

 

Von unserem Mitarbeiter Rainer Köhl

 

Quelle: 
Publikation: DIE RHEINPFALZ 
Regionalausgabe: Mittelhaardter Rundschau 
Datum: Nr.114
Datum: Dienstag, den 17. Mai 2006 
Seite: Nr.17
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