„Jede Macht fürchtet nichts mehr als das Lachen"

Drucken

 


MinKo

Theater Min Ko probt Dario Fos „Isabella, drei Karavellen und ein Scharlatan" im Herrenhof Mußbach - Premiere am Freitag



Die Stücke des italienischen Autors Dario Fo bürgen für Provokation und Tabubrüche. Das ist der Stoff, den das Neustadter Theater Min Ko seit seiner Gründung vor mehr als 20 Jahren favorisiert. Für ihre neue Produktion wählte die Gruppe „Isabella, drei Karavellen und ein Scharlatan". Regie führt Achim Hess, der sein fulminantes Comeback bei der Amateurgruppe vor fünf Jahren mit „Der Papst und die Hexe" startete - ebenfalls eine provokante Farce aus der Feder des italienischen Nobelpreisträgers.


Ein Mann in Fesseln auf dem Schafott, umringt von einer fanatisierten Menschenmeute. Seine Hinrichtung steht unmittelbar bevor. Der Schauspieler hat sich der Ketzerei schuldig gemacht. Da bringt ein Bote des Großinquisitors die Begnadigung. Das Stück über Königin Isabella und Columbus, das ihn in die Bredouille brachte, darf gezeigt werden - nach dem Motto: „Auf dem Schafott gibt es keine Zensur." Das Spiel im Spiel kann beginnen.


Diese Szene lässt Hess bei der Szenenprobe so lange wiederholen, bis sie endlich steht. Es ist die erste Probe im Herrenhof Mußbach, wo die Farce am Freitag, 16. März, Premiere hat. Da der Saal bisher nicht zur Verfügung stand, musste die Gruppe in den Böbig auswandern.


Heute lässt Hess einzelne markante Szenen proben: die Badeszene in den Gemächern der Königin Isabella, den Disput zwischen dem königlichen Paar, die Hochzeit des Kronprinzen und die Meuterei gegen Columbus. Die Akteure sind hochmotiviert, Hess springt in die Szene, verbessert, gibt Impulse. Wie in seinen früheren Inszenierungen lässt er auch diesmal das Geschehen mitten im Saal ablaufen.


Das 1963 in Mailand uraufgeführte Stück ist Fos groteske Version von epochalen Ereignissen, mit denen das spanische Königspaar Isabella und Ferdinand zwischen 1480 und 1504 Geschichte schrieb: Entdeckung Amerikas und Sieg über die Mauren.


Armin HessDoch - wie bei Fo nicht anders zu erwarten - kratzt er gewaltig am Image dieser Ikonen der Weltgeschichte: König Ferdinand (Bodo Redner) ist ein Schwächling, Columbus (Kurt Dapp), der den Herrschern Geld für seine Seereise nach Indien abknöpft, ein Scharlatan und ein auf seinen Vorteil bedachter Aufschneider. Isabella (Gisela Hemmerling) allerdings ist eine aufgeklärte, emanzipierte Frau.


Sein Faible für Fo formuliert Hess so: „Den ganzen Menschen finde ich großartig. Trotz vieler Schicksalsschläge ist er ein ideenreicher, unglaublich kurioser Mann, der alles gelassen nimmt und Angriffe mit Leichtigkeit und Souveränität pariert." Warum er gerade dieses Stück auswählte? „Es kann in unserer Gruppe gut umgesetzt werden, zeichnet sich durch seine Doppelbödigkeit aus und sein Stoff ist hochbrisant."


Übrigens kämpfte Fo, der 1926 am Lago Maggiore als Sohn eines Eisenbahners geboren wurde, Zeit seines Lebens gegen die Mächtigen. Nach dem Studium der Malerei und Architektur war er Kabarettist, Schauspieler, Regisseur, ehe er 1969 das Theaterkollektiv „La Commune" in Mailand gründete. Er schrieb mehr als 70 Stücke, darunter „Plötzlicher Tod eines Anarchisten" oder „Bezahlt wird nicht". Sein Markenzeichen ist Straßentheater und politisches Aktionstheater, in dem er zusammen mit seiner Frau Franca Rame auftritt.


Vor drei Jahren löste sein Stück „L"anomalo bicefalo" („Der abnormale Doppelhirnige") mit seinen Attacken auf den damaligen Staatschef Berlusconi einen Skandal aus.


Dem 1997 mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Autor bescheinigte die Stockholmer Jury, Fo habe „in der Nachfolge der mittelalterlichen Gaukler die Macht gegeißelt und die Würde der Schwachen und Gedemütigten wieder aufgerichtet." In seiner Dankesrede antwortete Fo: „Die Macht, und zwar jede Macht, fürchtet nichts mehr als das Lachen, das Lächeln, den Spott. Sie sind Anzeichen für kritischen Sinn, Fantasie und Intelligenz."


AUFFÜHRUNGEN


Herrenhof Mußbach: 16., 17., 23. und 24. März sowie 20., 21., 27. und 28. April (20 Uhr). Karten im Vorverkauf (7 und 9 Euro) im Copyshop „Blatt für Blatt", Zwerchgasse 17, Neustadt, Telefon: 06321 483779 und an der Abendkasse (9 und 11 Euro).


Das Kindertheater „Min Ko" zeigt diesen Samstag und Sonntag, jeweils um 16 Uhr, zum letzten Mal das Stück Freunde.

 


Von unserer Mitarbeiterin Gerhild Wissmann
 

 

 

POESCHH / POESCHH

Quelle: 
Publikation: DIE RHEINPFALZ 
Regionalausgabe: Mittelhaardter Rundschau 
Datum: Nr.59 
Datum: Dienstag, den 10. März 2007 
Seite: Nr.21
Präsentiert durch MSH-Web:digiPaper