Altmeister und junge Spunde

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Kabarettissimo 1/08

Die neue „Kabarettissimo"-Saison im Mußbacher  Herrenhof - Start mit dem neuen Programm der „Twotones"


Eine bunte Mischung aus Musik und Kabarett erwartet die Freunde der Kleinkunstsparte „Kabarettissimo" des Mußbacher  Herrenhofs auch wieder im ersten Halbjahr 2008. Los geht die Saison am übernächsten Samstag, 19. Januar, mit einer echten Premiere, wenn das pfalzweit bestens bekannte Musikkabarett-Duo „Twotones" sein neues Programm „Lebenslänglich glücklich!?" erstmals der Öffentlichkeit vorstellt.


Helfen wollen die Sängerin Anna Krämer und Pianist Rainer Klundt dem Publikum bei nicht weniger als der Suche nach der Glückseligkeit, von der aber bekannt ist, dass sie eher ein Ziel denn ein Zustand ist. Die beiden definieren in ihrem zweiten gemeinsamen Programm nach 2004 - mit einem Augenzwinkern - nicht nur die Vielfältigkeit des Begriffs, sondern analysieren auch, ob Glück als Dauereinrichtung überhaupt erstrebenswert sein kann. Die kabarettistischen Texte werden mit Piano-Musik, Jazz, Blues oder Rock"n"Roll, unterlegt, sodass alle Geschmäcker musikalisch auf ihre Kosten kommen sollten.


Solo tritt dagegen Arnulf Rating in Mußbach an, in den 70ern Mitbegründer der legendären Berliner Anarcho-Kabarett-Truppe „Die 3 Tornados" und auch sonst mit allen kabarettistischen Wassern gewaschen, mit fast allen deutschen Kabarettpreisen dekoriert. Der Polit-Kabarettist schlüpft im Programm „Schwester Hedwigs allerschwerste Fälle" am 23. Februar wieder einmal in jene markante und bei den Fans kultisch verehrte Rolle, die er selbst als „die resolute große Dame aus der Sprechstunde von Dr. Mabuse" beschreibt. Ins Visier nimmt er Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und natürlich das Gesundheitswesen, wobei er sich nicht damit begnügt, die Symptome aufzuzählen.


Am 29. März zündet bei „Kabarettissimo" bereits das nächste Kabarett-Glanzlicht. Dann gibt sich Bodo Wartke, seit Jahren Stammgast der Reihe, wieder einmal die Ehre im  Herrenhof. Im Gepäck hat er ein breit gefächertes Repertoire aus Liedern, Gedichten und Musik. Der Abend unter dem Titel „Noah war ein Archetyp" soll nach Willen des Künstlers nicht nur lustig, sondern auch lehrreich sein. So führt er in die Zwölf-Ton-Technik ein und demonstriert, was seiner Meinung nach Mozart unter Boogie Woogie verstanden hätte. Daneben bereichern Liebeslieder, die Wartke für seine diversen Liebsten geschrieben haben will, sowie Gedichte über die Tragik des Lebens die Vorstellung.


Hinkende Hühner, schlagfertige Polizisten, poppende Seifenblasen oder erntereife Chinesen gehören zu den Themen, über die sich K.W. Timm, ebenfalls kein Unbekannter in Mußbach, am Samstag, 26. April, auslässt. Vor seiner Berliner Schnauze ist bekanntermaßen nichts und niemand gefeit, „ein lebendiger Beweis, dass politisches Kabarett noch nicht tot ist", wie die RHEINPFALZ einmal schrieb, der die Sprechblasen der Politiker entlarvt und den alltäglichen Schwachsinn brutal beim Namen nennt.


Kabarett-Nachwuchs im Vergleich zu den Vorgenannten sind Mathias Tretter, Claus von Wagner und Philipp Weber, die am 24. Mai als „Erstes Deutsches Zwangsensemble" mit dem Programm „Mach 3" in den  Herrenhof kommen. Alle drei waren solistisch schon einmal in Neustadt, Bad Dürkheim und Umgebung zu erleben - Claus von Wagner zum Beispiel erst im Februar vergangenen Jahres im  Herrenhof -, jetzt haben sich zusammengetan und versprechen Hardcore-Kabarett, das beweisen soll, dass sich auch die junge Generation, der oft Politikverdrossenheit und Desinteresse vorgeworfen wird, dem Kampf um Weltpolitik, Kultur, eigener Biografie oder Zwischenmenschlichem stellt.


Das Schlusslicht des ersten Halbjahres 2008 bildet mit Florian Schroeder ein weiterer Jungspund der Kabarett- und Comedy-Szene. Das bekennende Mitglied der Generation „Irgendwas mit Medien", das sich erstmals vor zwei Jahren im  Herrenhof vorstellte, wird am 21. Juni zu hören und zu sehen sein. „Du willst es doch auch!" hat er sein Programm überschrieben, in dem er sich unter anderem dem „Zeugungsverweigerungsrecht", von dem insbesondere die deutschen Männer Gebrauch machen, widmet.

 


Info


Alle Veranstaltungen finden im Festsaal im Kelterhaus des Mußbacher  Herrenhofs statt und beginnen um 20 Uhr. Karten bei Tabak Weiss (06321/2942) in Neustadt oder der Papier-Schatulle (06321/60360) in Mußbach. (giw)

 


 

POESCHH / POESCHH

Quelle: 
Publikation: DIE RHEINPFALZ 
Regionalausgabe: Mittelhaardter Rundschau 
Datum: Nr.5
Datum: Montag, den 7. Januar 2008
Seite: Nr.19
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