Unzählige Arbeitsstunden investiert

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Eine kulturelle Bürgerinitiative feiert Geburtstag: Fördergemeinschaft Herrenhof gedenkt ihrer Gründung vor genau 25 Jahren

FGHRund 144.000 ehrenamtliche Arbeitsstunden habe die Fördergemeinschaft Herrenhof in den ersten acht Jahren nach ihrer Gründung geleistet, um den Mußbacher Herrenhof als Kulturzentrum nutzbar zu machen, hat der Vorsitzende Gustav-Adolf Bähr einmal errechnet. In der Anfangszeit habe „fast das halbe Dorf geholfen", erinnert er sich. Gegründet wurde diese pfalzweit nahezu einzigartige kulturelle Bürgerinitiative am 22. August 1983 - weshalb am kommenden Wochenende, exakt 25 Jahre nach dem Taufakt, in Mußbach groß gefeiert wird.


Es steht fest, dass das ehemalige Johannitergut, das sich 1983 in keinem allzu guten Zustand präsentierte, ohne das Engagement vieler nicht in dieser Form erhalten und mit Leben erfüllt worden wäre. Von Beginn an waren durch das Kuratorium Herrenhof einige der wichtigsten Vereine im Ort, nämlich der Männerchor, die Trachtengruppe und die Landfrauen, in das Renovierungsprojekt eingebunden. Durch den Männerchor war beispielsweise auch Eberhard Schwenck zur Fördergemeinschaft gekommen. Er war in den Aufbaujahren ehrenamtlicher Bauleiter und ist auch heute noch für alle Baubelange zuständig. Schon vor der Gründung der Fördergemeinschaft hatte der Chor beim Eselshautfest einen Ausschank im Keller des Getreidespeichers, erinnert sich Schwenck. Um den Raum nutzen zu können, hatten die Sänger den Keller etwas hergerichtet. Auch Überlegungen, ihn als Sängerheim zu nutzen, habe es damals schon gegeben.

 


Mit Gründung der Fördergemeinschaft war dann klar, dass die drei beteiligten Vereine die ehemalige Werkstatt und die Stallungen für ihre Zwecke nutzen würden können. Die Trachtengruppe sollte die Werkstatt bekommen, der Männerchor und die Landfrauen die Räume über den Stallungen und die Fördergemeinschaft die Stallungen selbst. Bis die Vereine ihre neuen Räume beziehen konnten, war allerdings harte Arbeit angesagt. 1985 und 1986 arbeiteten die Mitglieder der Vereine an der Renovierung ihrer Räume.

 


Mit dem Satz „Fang" Du mal an" zum Bauleiter bestimmt

 


Schwenck war damals zweiter Vorsitzender des Männerchors und als es mit dem Bau los ging, war der Vorsitzende für einige Zeit nicht in Mußbach. „Fang" Du mal an", habe er gesagt bekommen, erinnert sich Schwenck genau. Und später habe es dann geheißen, es sei das Beste, „wenn Du weiter machst". Fast jedes Wochenende wurde auf dem Bau gearbeitet. Schwenck musste die Arbeitseinsätze organisieren, Material besorgen, Rechnungen prüfen und bezahlen und die Arbeitsstunden aufschreiben. Als dann in den folgenden Jahren Kelterhaus, Festsaal und Keller renoviert wurden, da war der bewährte Bauleiter erneut gefragt. Allerdings war Schwenck jetzt nicht mehr alleine für die Bauleitung zuständig. „Dach und Fach" wurden vom Land renoviert, und hier waren vorrangig Profi-Firmen am Werk. Jetzt galt es, mit dem vom Land beauftragten Bauleiter die Arbeit der Firmen mit den Einsätzen der Ehrenamtlichen zu koordinieren. „Morgens vor der Arbeit bin ich in den Herrenhof, und abends nach der Arbeit bin ich wieder in den Herrenhof", erzählt Schwenck, wie drei Jahre lang sein Tagesablauf aussah. Und nach wie vor gingen alle Papiere, die mit der Arbeit der Ehrenamtlichen zu tun hatten, über seinen Tisch.

 


FGHAuch Karin Dennhardt, langjährige Vorsitzende der Mußbacher Landfrauen, ist eine der „Herrenhöferinnen" der ersten Stunde: Gustav-Adolf Bähr habe bei einer Sitzung der Landfrauen das Projekt vorgestellt, erinnert sie sich, „und wir waren sofort begeistert". 500 Mark spendete der Verein für die Startphase der Fördergemeinschaft, insgesamt 80.000 Mark kamen im Lauf der Jahre zusammen. Allerdings haben die Frauen auch kräftig selbst Hand angelegt. „Wir waren immer dabei", sagt Dennhardt nicht ohne Stolz. Die Frauen seien „Mädchen für alles" gewesen. Die schweren handwerklichen Arbeiten am Vereinsheim der Landfrauen wurden von den Männern des Männerchors gemacht, dafür waren die Frauen immer gefragt, wenn es an das Putzen ging. „Wir waren schwarz wie die Neger", erinnert sich Dennhardt an einen Putzeinsatz im Festsaal.

 


Natürlich wurde nicht nur gearbeitet, sondern auch gefeiert. Dennhardt erzählt, dass beispielsweise einmal ein Bauer „eine Wutz" für die fleißigen Helfer gespendet habe. Die wurde von einem Metzger aus den Reihen des Männerchors umgehend geschlachtet, und die Landfrauen hätten sich um Zubereitung der Speisen und Bewirtung gekümmert. Die Bewirtung war auch später noch lange das Metier von Karin Dennhardt. Bis vor zwei Jahren war sie im Vorstand der Fördergemeinschaft und Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses.

 


„Zeitweise bin ich jeden Tag im Herrenhof gewesen", erzählt Josef Döppert. Der heute 72-Jährige ist schon seit Jahrzehnten im Männerchor aktiv. „Und als die Sache mit dem Herrenhof aufgekommen ist, da hat der Vorsitzende uns Handwerker gefragt, ob wir helfen", berichtet Döppert, der von Beruf Schreiner ist. Vor allem bei den Schreinerarbeiten war er im Einsatz. „Böden, Holzverkleidungen, Dachstuhl im Festsaal", zählt der Mußbacher als seine Einsatzfelder auf. Aber auch bei anderen Arbeiten habe er immer wieder geholfen. Und mit dem Umbau war Döpperts Engagement noch lange nicht beendet. Er hilft seit vielen Jahren bei Vorbereitungen von Veranstaltungen, etwa beim Aufbau der Bühne, und erledigt nach wie vor Schreinerarbeiten. „Kürzlich habe ich beispielsweise die Theke repariert", erzählt er. „Auch wenn ich nicht im Männerchor wäre, hätte ich mich für den Herrenhof engagiert, da er unbedingt für Mußbach erhalten werden soll", sagt er. Außerdem mache ihm die Arbeit Spaß.

 


„Ich habe übFGHerall geholfen, wo jemand benötigt wurde", erinnert sich auch Edgar Boos, der ebenfalls durch den Männerchor zur Fördergemeinschaft kam. Vor allem im Bereich Wasser- und Abwasserinstallationen habe er gearbeitet, das war sein Beruf. „Ich habe aber auch ein Treppengeländer mitgebaut und vieles andere", so Boos. Später habe er dann bei Veranstaltungen geholfen, etwa beim Bühnenaufbau und -abbau und beim Aufstellen der Stühle. Vor einigen Jahren hat sich der heute 71-Jährige zurückgezogen. „Für mich war es selbstverständlich etwas für Mußbach zu tun", sagt der Mußbacher.

 


Karl Adams hatte als Leiter der früheren Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft, Wein- und Gartenbau (heute Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum) schon beruflich viel mit dem Herrenhof zu tun. Die Lehr- und Forschungsanstalt hatte von 1970 bis 1983 die Räume genutzt und das ehemalige Johannitergut bewirtschaftet. Adams berichtet, dass er als Vertreter des Landes die Verträge zur Übergabe und zur Nutzung des Herrenhofs unterzeichnet habe. Außerdem wurde er Mitglied im Kuratorium Herrenhof. Nach seiner Pensionierung 1994 kümmerte sich Adams um das Weinbaumuseum, das im Herrenhof eingerichtet wurde. Hier gebe es inzwischen eine der vollständigsten Sammlungen über die Entwicklung der Arbeit im Weinbau in den vergangenen 200 Jahren.

 


Ludwig Henrich war zwar nicht beim Umbau dabei, damals galt sein ehrenamtliches Engagement noch dem TV Mußbach, aber ab etwa 1993 wurde er für mehrere Jahre zum unentbehrlichen Mädchen für alles. Zum Herrenhof sei er bei der 1300-Jahr-Feier Mußbachs im Jahr 1992 gekommen, erzählt Henrich. Henrich war dann etwa acht Jahre für den technischen Ablauf im Herrenhof zuständig, war für die Vorbereitung von Veranstaltungen verantwortlich, war bei den Veranstaltungen selbst Ansprechpartner vor Ort, leitete Helfer an, die gemeinnützige Arbeitsstunden im Herrenhof leisten mussten und einiges mehr. „Der Herrenhof ist ein großes Unternehmen, und das war viel, viel Arbeit", sagt Henrich, der sich inzwischen aus gesundheitlichen Gründen weitgehend zurückgezogen hat. „Aber bei Eröffnungen von Ausstellungen schenke ich immer noch den Wein aus, und ansonsten springe ich gelegentlich mal ein", sagt der 82-Jährige.

 

 

 

25 Jahre Fördergemeinschaft Herrenhof - das Festprogramm


„Ein Märchen wurde wahr"


Das Jubiläum „25 Jahre Fördergemeinschaft Herrenhof" wird von morgen, Donnerstag, an bis einschließlich Sonntag, 24. August, gefeiert. Schirmherr der Jubiläumsveranstaltungen, die unter dem Motto „25 Jahre - ein Märchen wurde wahr" steht, ist Oberbürgermeister Hans Georg Löffler.


Los geht es am Donnerstag mit dem offiziellen Festabend im Festsaal des Herrenhofs: Beginn um 19 Uhr mit einem Sektempfang. Die Festrede wird der Schirmherr halten. Weitere Redner sind Hans-Jürgen Seimetz, Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd, der Mußbacher Ortsvorsteher Klaus Kerth, Eberhard Schwenck als Vertreter der Vereine, die Mußbacher Weinprinzessin Anke und Gustav-Adolf Bähr, der Vorsitzende der Fördergemeinschaft.


Kulturelle Darbietungen steuern die Chorgemeinschaft MC 1860 Mußbach, die Stiftskantorei, das Puppentheater Dornerei, das Theater Minko, die Performance-Gruppe Cocoon und die Mußbacher Trachtengruppe bei. Vorgestellt wird auch ein Bildband zur Geschichte des Herrenhofs und der Fördergemeinschaft. Auch langjährige Aktive des Vereins werden geehrt.


Am Samstag und am Sonntag, 23. und 24. August, ist Tag der offenen Tür. Am Samstag ist ab 11 Uhr eine Ausstellung „25 Jahre Kunst im Herrenhof" zu sehen, die das ambitionierte Ausstellungsprogramm der Fördergemeinschaft in Erinnerung ruft. Um 15 Uhr gibt es eine Aufführung von Tine Duffing und ihrer Gruppe „Cocoon" im Storchenturm, um 16 Uhr eine Führung mit Karl Adams im Weinbaumuseum. Um 20 Uhr tritt der Kabarettist Christian „Chako" Habekost in der Reihe „Kabarettissimo" im Festsaal auf.


Am Sonntag präsentieren die Chorgemeinschaft MC 1860 Mußbach und die Trachtengruppe ab 11 Uhr Lieder und Tänze in der Remise. Um 14 Uhr gibt es Kaffee und Musik mit Patrick Siben und seinem Kammerorchester „Stuttgarter Saloniker" in der Parkvilla. Um 16 Uhr lädt Gustav-Adolf Bähr zu einer Besichtigung der benachbarten Johanniskirche ein. Um 17 Uhr werden im Festsaal verschiedene Filme über die Fördergemeinschaft unter dem Titel „Was du ererbst von Deinen Vätern" gezeigt. Um 19 Uhr ist Premiere des vom Puppentheater „Dornerei" neu inszenierten Erwachsenen-Stücks „Don Camillo und Peppone". (ann)



Von unserer Mitarbeiterin Anne Ries

 

Quelle: 
Publikation: DIE RHEINPFALZ 
Regionalausgabe: Mittelhaardter Rundschau,  Nr.194
Datum: Mittwoch, den 20. August 2008
Seite: Nr.25
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