Wie viel Geld braucht Stiftung?

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Heute entscheidet sich ein Stück weit die Zukunft des Kulturzentrums Herrenhof in Mußbach.

Der Fördervereinsvorsitzende Bähr und Oberbürgermeister Löffler (CDU) sind zuversichtlich, dass nach einem Ortstermin zur Kostenermittlung eine Stiftung auf den Weg gebracht werden kann.

Gustav Adolf Bähr

Eigentlich ist alles wie immer. Es geht ums Geld - unter Umständen sogar um viel Geld. Denn beim Herrenhof in Mußbach handelt es sich um eine große Immobilie mit entsprechenden laufenden Kosten. Die müssen entweder aus Zinseinnahmen des Stiftungskapitals kommen oder durch laufende Zuschüsse gesichert werden. „Das geht alles sehr einvernehmlich; da gibt es keinen Dissens zwischen Land und Stadt”, versichert Oberbürgermeister Hans Georg Löffler (CDU) - allerdings sei vermutlich noch nicht genügend Stiftungskapital beisammen.

Die Stiftungsidee ist nicht neu: Seit 2007 wird Gustav-Adolf Bähr nicht müde, auf den 2012 auslaufenden Nutzungsvertrag für den Herrenhof hinzuweisen und auf eine Verlängerung hinzuarbeiten. Seine Sorge war, dass der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) eine lukrativere Nutzung oder gar einen Verkauf ins Auge fassen könnte. Staatssekretär Siegfried Englert hatte dann die Stiftung ins Gespräch gebracht, und Landwirtschaftsminister Hendrik Hering (beide SPD) - weil der Herrenhof zum Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) gehört hatte - hat dies im Juli 2010 im RHEINPFALZ-Gespräch auch so zugesichert. Das Land strebt eine dauerhafte Verankerung des Herrenhofs im kulturellen Leben der Pfalz an.

Die Idee: Das Land gibt die Immobilie und eine finanzielle Zustiftung in eine dafür zu gründende Stiftung, die Stadt soll sich in geeigneter Form beteiligen. Dies steht für Löffler auch außer Frage: „An der Stiftung Hambacher Schloss haben wir uns ja auch beteiligt.”

Nach einem Treffen aller Beteiligten - LBB, DLR, Stadt und Fördergemeinschaft - vor einer Woche findet nach Angaben des Oberbürgermeisters heute eine Ortsbegehung mit LBB-Technikern statt. Dabei soll geklärt werden, welchen Investitionsbedarf es im Herrenhof gibt. Bähr selbst weiß um den grundsätzlich guten Zustand: „Wir haben damals alles sehr rustikal und robust gemacht.” Trotzdem gebe es immer wieder Erneuerungsbedarf beispielsweise an der Technik. Zudem müsse im Getreidekasten das Dach neu isoliert werden, um die Kosten der Elektroheizung in vertretbarem Rahmen zu handeln. Er rechne mit vielleicht 250.000 Euro in vier bis fünf Jahren. „Das ist nichts im Vergleich zu anderen Liegenschaften, wie beispielsweise dem Hambacher Schloss”, sagt der Mußbacher.

Sobald Zahlen der Bausachverständigen vorliegen, wollen das Land und die Stadt über die Form der Trägerschaft entscheiden.

Für den laufenden Betrieb geht Bähr aufgrund mittlerweile 28-jähriger Erfahrung von jährlich 40- bis 50.000 Euro (ohne Programm) aus. Darin wären sogar schon Kosten für einen Hausmeister enthalten.

Wenn diese Summe aus Stiftungskapital bestritten werden solle, würde angesichts der derzeit niedrigen Zinsen eine hohe Zustiftung erforderlich, oder es müsse jährliche Zuschüsse geben, die von vier bis fünf Stellen, darunter der Stadt, kommen könnten, sagt Bähr. Laut Löffler stehen beispielsweise jährlich 20.000 Euro für Instandhaltungsarbeiten am Herrenhof im Haushalt der Stadt.

Zudem sei auch ein Konzept über die finanzielle Beteiligung von Nutzern der Immobilie in Vorbereitung, sagt Bähr. Vermutlich werde es gestaffelte Mieten für die unterschiedlichen Nutzergruppen geben. Dabei werde es bei sehr moderaten Beiträgen bleiben, versichert Bähr, niemand müsse sich Sorgen machen: „Der Herrenhof ist ein Stück Freiheit, Kultur zu machen. Das wird so bleiben.”

Löffler berichtet, dass bisher über jeweils etwa 80.000 Euro Zustiftung von Land und Stadt gesprochen worden sei. Das reiche noch nicht. Ob aus Mieteinnahmen weitere Rücklagen gebildet werden könnten, sei noch unklar. Auch wenn sich jeder eine schnelle Lösung wünsche, gebe es keinen Zeitdruck, versichert der Oberbürgermeister: Der bisherige Nutzungsvertrag laufe zwar 2012 aus, die Stadt habe aber die Option auf Verlängerung um 20 oder 25 Jahre.

 

Von Sebastian Böckmann

 

Quelle: 
Publikation: DIE RHEINPFALZ 
Regionalausgabe: Mittelhaardter Rundschau,  Nr.64
Datum: Donnerstag, den 17. März 2011
Seite: Nr.15
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